| Lediglich
am Südhorizont liegen die Wolken, Jupiter schaut gerade noch drüber,
darunter ist es dicht. Günther baut dann auch unter unserer Anfeuerung
seine G11 auf und versucht die Andromedagalaxie zu fotografieren, was
ihm dann auch exzellent gelingt. Auch wenn zwischendurch immer wieder
rasend schnell Nebelfetzen durchziehen, gelingen uns einige
Beobachtungen. Gegen 2:30 Uhr früh wird es dann ganz stabil klar.
Leider bin ich gegen 3:00 Uhr früh fix und fertig, fast 22 Stunden auf
den Beinen, Firma, Autobahn und Notabbau am Wallackhaus sind zuviel.
Temperatur mittlerweile nur mehr 5,5 Grad. Ich hab meine neue
Daunenjacke und die Kamikboots an, somit ist mir noch recht warm, nur
die Haube ist etwas zu dünn, Kapuze oder die dicke Winterhaube finde
ich im chaotischen Autoinneren nicht. Nächste Nacht wird’s sicher
geordneter werden! Die Rückfahrt gestaltet sich echt schwierig, die
Autoscheiben sind innen und außen komplett "angelaufen" und
dementsprechend "watschelnass". Die Klimaanlage schafft es
erst am Fuschertörl die Sicht gänzlich frei zu kriegen. Beim
Wallackhaus unten steht Walter und fotografiert, scheinbar hat es hier
herüben auch aufgeklart. Ich hoffe, wir haben ihn mit unseren
Scheinwerfern nicht so sehr gestört, aber ohne Licht fahren geht hier
heroben absolut nicht.
Später
erfuhren wir, dass es ab 3:00 Uhr früh klar wurde, da haben wir oben
eben etwas mehr Sichtglück gehabt. Zu
den Beobachtungen im einzelnen:
Durch
die immer wieder durchziehenden Wolken, fiel die Objektwahl
gezwungenermaßen eher in
Richtung Nord und Ost aus.
Erste
ergatterte Messier Nummern
M
103 - mit 129x
sehr klar, viele Sterne, klassisch die dreieckige Form,
Perseus
und Cassiopeia Region sind wolkenfrei
NGC
7789 - der sternreiche feine Haufen am Ende
des Himmels W, bei 60x eher flach, oh nein, nur ein Nebelfetzen der
durchzieht, also sehr klar, sehr, sehr viele Sterne, dicht fast
fleckartig,
NGC
281 - der Pacman, die Form erkennbar, jedoch
schwach trotz 16" und 2.500m Seehöhe,
der
UHC-Filter, ja der steckt irgendwo in einer der Kisten, leider.
Anstatt
jetzt großartig nach Ausrüstungsteilen zu suchen, beschließe ich
lieber weiter zu wurschteln, wer weis, ob es nicht wieder zuzieht?
M33
- die Triangulumgalaxie, bei 60x eine Wucht,
3 Spiralarme direkt zu sehen, links, rechts und im Okular oben. Die
Galaxie ist selbst im Feldstecher bei 15x locker zu finden!
M31,32,110
- Andromedagalaxie, ein Fixobjekt aller
alpinen "Sternspechtler".
Also,
60x, wunderschön, voll zum Abfahren, ich mein im Okular, selbst die NGC
206 Sternwolke am südlichen Ende ist wunderbar zu sehen. Ja, das ist
hochalpine Beobachtung! Im Feldstecher sehr klar, gut, M 32 bleibt
aber hier unentdeckt.
Später
zeige ich M 31 einem bayrischen Gast, der aus der Edelweishütte
daherspaziert und plötzlich zu uns stößt. Er zeigt sich sehr vom 16
Zoll GSO - Spiegel angetan.
M
57 - der Ringnebel, 129x und 258x, der
Zentralstern direkt geht nicht, die feuchte Luft?
Jetzt
ist es 23:30 Uhr, der Himmel klart fast komplett auf, ein Spektakel!
NGC
6960 - Cirrusnebel, der Sturmvogel bei 60x,
wunderschön, die "spitze Seite" zeigt sich besser, die
geteilte "Schwanzseite" ist aber auch fein zu erkennen.
NGC
6992,6995 - die Ostseite des Cirrus, 60x, der
Halbbogen gut zu sehen, etwas Struktur auch ohne diverser Filter
M27
- der Hantelnebel, 129x voll plastisch, fantastisch
M71
- Kugelsternhaufen im Pfeil, 129x, Wahnsinn diese vielen Sterne und der
schwarze Himmel
M13
- Herkules Kugelsternhaufen, 129x, so toll hab ich dieses Objekt noch
nie gesehen, wunderbar viele Sterne, bis hinein in die Mitte!
M92
- 2.Herkules Kugelsternhaufen, 129x, etwas kleiner, aufgelöst, feine
Sterne
Mit
den Vergrößerungen 60x und 129x bleiben die Sterne schön punktförmig
im Okular. Bei 258x fordert der Spiegel schon etwas Tribut, die Sterne
sind nicht mehr so gestochen scharf, aber das habe ich in einem 18 Zoll
Obsession auch schon gesehen, das dürfte generell bei den großen
Spiegeln so sein. So durch die Wolkenlücken zu beobachten bringt natürlich
eine gewisse "Hudlerei" mit sich, und so klappert man halt
gierig ein Objekt nach dem anderen ab.
Aber
was soll´s, es ist halt der erste Ausflug mit dem neuen 16 Zoll Dobson
in hochalpine Regionen und die Fotomontierung hab ich ja auch noch mit,
also Tempo!
So
weiter, aber hoppla, was ist das da? Tau! Tau am Sucher, am Okular und
am Fangspiegel. Mit dem 12 Volt Fön wird das Ärgernis weggeblasen -
weiter! Oh je, schon wieder zugezogen, nebelig!? Hopp schon wieder klar!
So ähnlich kämpfen wir uns durch die Nacht!
h
& chi - der Doppelsternhaufen 258x der
Hintergrund tief schwarz, die Sterne extra hell,
M
74 - Galaxie in "Draufsicht", 129x,
zu finden in der Verlängerung der "Widderachse", schwach,
eher großer Fleck,
Das
Sternbild Steinbock steht jetzt wunderbar, wie im Lehrbuch gestanzt am
Himmel!
Die
Fische sind nicht so klar und toll wie ich sie von La Palma kenne. Dort
waren sie auf 500m Seehöhe für mich extrem hoch und perfekt zu
erkennen.
Barnard
142 und 143 - 3teiliger Dunkelnebel beim
Adlerstern Altair, ein Highlight dieser Nacht! Bei 60x durch die
irrsinnig vielen Sterne der Milchstraße und dann wie ein Tintenklecks
der Dunkelnebel, wow!
NGC
6804 - planetarischer Nebel neben Altair,
129x, ein kleines "Fuzerl"!
NGC
6781 - feiner planetarischer Nebel, "snowglow
nebula", schöner, größer als der Vorige
NGC
7293 - der Helixnebel, 60x, groß, hell, aber
nicht so fantastisch wie in La Palma auf 2.500m im 3" Refraktor!
(Deklination ist scheinbar alles!), beide ohne Filter
M45
- die Plejaden, jetzt 82x, einfach schön!
M
30 - kleiner Kugelsternhaufen neben
Steinbock, 82x, eher hell
M81
und M82 - die zwei Galaxien sind nördlich
auf ihrer Reise um Polaris auch schon höher gestiegen, 82x, sehr klar
NGC
6503 - Galaxie im Drachen, 82x, klein,
schwach, länglich
NGC
6543 - der Katzenaugennebel, ein schwacher
Fleck,
wobei
ich mir nicht 100% sicher bin ihn gefunden zu haben.
Ziemlich
müde geben wir schließlich auf. Aber
wir haben eine beachtliche Liste von Objekten geschafft. Sicher,
viel Zeit um jedes Detail mit verschiedenen Vergrößerungen zu sehen
blieb uns nicht, trotzdem
war ich zufrieden. Wer weis, wie es mit dem Wetter weitergehen wird? |
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Und
wie könnte es anders sein - abends
beginnt es zu regnen! So
bleiben wir eben beim Abendessen sitzen und erzählen uns Astronomengarn
(mindestens drei
Zentralsterne im Ringnebel, wirklich!?!).
Um
22:00 Uhr endet die Runde, ich gehe routinemäßig noch vors Haus und
Wahnsinn Richtung Süden hat es aufgeklart! Jetzt aber flott! Schnell aufs
Zimmer meine Jacken holen und danach den Dobson aufgebaut. Der Himmel
ist vom Zenit bis zum Südhorizont frei. Also genau die Region, die mir
zuhause wegen des Wiener Lichtdoms verwehrt ist. Für Astrofotografie
schaut es aber wegen fehlendem Polaris nicht so gut aus. Es wäre zwar möglich
mit Scheinern die Polausrichtung zu schaffen, allerdings ziehen immer
wieder Wolken übers Hochtor nach, wer weis, ob es klar bleibt? Günther
lässt somit heute seine Montierung im Wagen und wir versuchen uns beide
am 16er.
Es
ist windig, ca. 10 Grad plus, keine Spur von Tau, mag 6,5.
Die
südliche Milchstraße ist
wunderbar strukturiert, von der Teilung im Schwan weg bis knapp übern
Horizont fein zu sehen. Die kleine Lagunennebelwolke steht wunderbar
freisichtig zu erkennen über der Schützen Kaffeekanne.
M
8 - der Lagunennebel, 60fach am Pentax XW 30,
schön der Riss, hell die Stundenglassregion, später dann mit dem UHC
Filter, stark strukturiert, toll,
Heute
sind schon einige Beobachter mehr am Platz, einige Male bekommen wir Gäste,
ich freue mich über die Zustimmung zu meinen GSO 16".
M
28 - der kleine Kugelsternhaufen an der
"teapott-Spitze", 129x, schwer auflösbar,
M
22 " recht großer Kugelsternhaufen an
der linken Seite des teapotts, 129x , ähnlich wunderbar wie M13 im 10"
Einige
kleine Kugelsternhaufen tummeln sich hier im Schützen:
M
54 - ein kleines "wuzi Kugerlhauferl"
am linken Fuß der Kanne, 129x, nicht auflösbar
NGC
6544 - Kugelsternhaufen im Schützen, 129x
NGC
6543 - detto, etwa doppelt so groß wie
voriger, bei 129fach im Pentax XW 14
So
jetzt geht’s aufwärts
M
20 - der Trifidnebel, 60fach im XW 30, die Dreiteilung
direkt sichtbar, mit dem UHC- Filter eindeutig die dunklen Schläuche zu
sehen, der Reflexionsnebel recht gut sichtbar, mit
dem Filter vor allem viel besserer Kontrast.
M
21 - offener Sternhaufen gleich beim
Trifidnebel, 129fach, diese Objekte sind ganz leicht mit dem 50mm Sucher
zu finden
M
55 - Kugelsternhaufen östlich der Kanne, Günther
findet ihn mit dem Feldstecher 15 x 70, recht
groß, bei 60x
M
75 - nächster Kugelsternhaufen beim
Steinbock, klein, anfangs vertausche ich ihn mit
M 55, später
klärt sich der Irrtum.
M
17 - der Schwanen- oder Omeganebel, ein
kleines Highlight dieser Nacht, sieht mit UHC bei 129x wie ein Schwan
aus, bei 82fach im Nagler 22 schön der Kopf oder das Omega, rechts im
Okular der Körper
M
16 - Adlernebel, nächstes Highlight, wie ein
liegendes Schwammerl, dieser Nebel gehört schon zur Schlange "Serpens",
wunderbar im UHC mit diversen Vergrößerungen,60x,82x,129x,258x,
NGC
6960 - Cirrus - Firebird, 82fach, heute viel
besser als gestern, vor allem gibt der UHC- und OIII - Filter einiges
her! Die "Schwanzseite" schön strukturiert, zwischen Ost- und
Westteil kommt die Triangel schön heraus.
NGC
6992, NGC 6995 - atemberaubende Teile sind in
der Mitte des Halbbogens zu erkennen, die
beste persönliche Sichtung !
Barnard
142/3 - Dunkelnebel, 60fach nicht mehr so
beeindruckend wie gestern, etwas heller
Ja
im Süden bleibt es klar, lediglich vom Norden ziehen ständig Wolken rüber,
die sich dann erstaunlicherweise völlig auflösen!
M
2 - Kugelsternhaufen im Wassermann, 258fach,
voll aufgelöst
M
15- noch größerer Kugelsternhaufen im
Pegasus, 258fach, fein
Zur
Objektsuche verwende ich standardmäßig mein Pentax XW 30, das Okular
zeigt keine Koma im Randbereich, bietet viel Feld und mit der seitlichen
Abschattung komm ich spielend zurecht.
M
13 - den Herkuleskugelsternhaufen kann ich
fast nie auslassen, 258fach, toll, auch die kleine Galaxie in der
Nähe, einfach schön.
Gegen
Ende der Beobachtung ziehe ich mein superschnelles "Hand-Goto"
zu M31,32,110
- Andromedagalaxie, 60fach hell, 82fach mit etwas besseren Hintergrund,
sehr fein.
Marion
und die meisten deutschen Sternenfreunde schlafen längst, nur Günther
und ich kämpfen uns weiter durch die Objekte.
Für
mich als Dobsonaut war die Nacht ein voller Erfolg, obwohl nur oder
gerade deshalb, der südliche Teil des Himmels klar war. So eine schöne
Reise durch das Sternbild Schütze bleibt mir zuhause in meiner
Sternwarte leider immer verwehrt. Gegen 2:30 Uhr packt uns "Hackler"
dann doch der große Schlaf, super heute müssen wir uns nur ins Haus
trollen!
Freitag
29. August 2008
Wieder
beginnt der Tag mit Sonnenschein! Nach dem Frühstück, welches auf der
Wallackhütte leider nur von 7:30 bis 9:00 Uhr serviert wird, kümmere
ich mich um meinen Opel. Die "Kraxn" hat ein 6-Gang
Automatikgetriebe, und das hat mir gestern einiges an Kopfzerbrechen
gemacht. Was ist passiert? Nun, starten, Gas geben und nix! Die Mühle
rollt nur ganz langsam dahin, gleich nach 50 Meter gibt’s einen Ruck
und alles funkt wie gehabt. Hab ich das Lernprogramm meines Getriebes
mit den rasanten Bergfahrten irritiert? Egal, mein Opel fährt wieder
und heute schauen wir uns die Edelweisspitze bei Tageslicht an. |