Beobachtungen in La Palma am 9. November 2006 am Roque de los Muchachos bei Sonnenuntergang

Als erstes öffnet das Telescopio Nazionale Galileo seine Klappen, surrt und dreht sich. Rundherum erwachen die großen Teleskope, surren, hupen und positionieren sich. Um ca. 18:00 Uhr geht die Sonne unter, der Erdschatten ist deutlich aber nur kurz zu sehen. Es kommt mir wie eine Ewigkeit vor bis die ersten Sterne sichtbar werden. Bis 19:40 Uhr bleiben wir oben am Parkplatz. Es ist stark windig und hat nur 13 Grad daher sehr unangenehm. Astronomische Dämmerung sollte heute gegen 19:15Uhr sein. Langsam kommt die Milchstraße heraus. Wahnsinn wirklich von Horizont zu Horizont, die Teilung im Schwan-beeindruckend. Da, der große Wagen, nur Alkaid-AlkorMizar-Alioth, der Rest der Trauergemeinde ist im Meer "ertrunken". Mein einziges Beobachtungsinstrument ist der stabilisierte Canon IS 15x50 Feldstecher. Damit besuche ich h+chi persei, die Andromedagalaxie, M27 die Hantel. Dann die Hyaden im Sternbild Stier, echt unglaublich gerade aufgegangen und schon brillant im Feldstecher. Die Plejaden ein Leckerbissen...

Weiter zum Nordamerikanebel NGC 7000, sehe ich da was? Die Struktur des Dunkelnebels ganz klar - der Golf von Mexico! M13 Kugelsternhaufen im Herkules, sein Nachbar M92 zum vergleichen M15 beim Pegasus der voll im Zenit steht. Ein Objekt nach dem anderen fahre ich mit dem Canonglas ab.

Aber der wirkliche Hammer ist dieses Meer an Sternen und bis runter zum Horizont.

Sternbilder wie z.B. der schwache Fisch, der zuhause grad den Kopf herzeigt, sind hier wie im Lehrbuch zu erkennen. Der Schütze - die Kaffeekanne hängt schwer nach vorn.....M22 der große Kugelsternhaufen, M8 der Lagunennebel, M20 gleich drüber- Wunderbar all die südlichen Objekte die ich grad von Kärnten her kenn, weil bei uns im Süden die Großstadt Wien liegt, ganz klar zu sehen. Auch der Steinbock ein Sternbild das ich noch nie so brillant erkannt habe. Zum Spaß geht´s zum brocci-cluster dem Kleiderbügel in der Milchstraße. Pfeil, Delfin, Wassermann und weiter der Drache wunderschön.

Um 19:40 Uhr fahren wir raus aus dem Observatoriumsgelände und suchen uns eine windgeschützte Stelle an der Straße. Parkfläche gibt es keine an der Straße, die wollen scheinbar wirklich Ruhe habe, aber eine kleine Pannenecke tut es auch.

 Eine der atemberaubenden Dinge hier oben war das leuchten der Wolken. Als ob unten einer das Licht aufgedreht hätte das durchschimmert - was ist das? - Das Sternenlicht der Milchstraße beleuchtet die Wolkenoberseite - unglaublich!

Also sicher mag 7,0 - überhaupt kein "Sternenscheppern" (Seeing) - angenehme 13 Grad auf 2.400m im November und so eine toll strukturierte, watteartige, schön von Sommersternbilder bis Wintersternbilder gehende Milchstraße hab ich noch nicht gesehen. Ein wunderbarer Beobachtungsabend!

Die Heimfahrt geht etwas schneller - bergab und leicht zu sehender Gegenverkehrslichtkegel machen es möglich.

Wir beobachten noch im Laufe des Urlaubs, wenn es das Wetter zuließ, in Fuencaliente, in der Nähe des Vulkan de San Antonio, beim Ortsteil Las Indias und in der Hotelanlage. Die Bedingungen waren allesamt mindestens bei mag 6,0 vor allem ohne Aufhellungen! Am Hotelbild sieht man die Sterne u. Weltraum- Leserreisegruppe am 12"Dobson ,die waren zufällig auch dort. Eine zweite Auffahrt auf den Muchachos ging leider daneben, eine rasch aufziehende Schlechtwetterfront hat uns ein zweites Sternenhighlight vermiest. Der November ist als Reisezeit nicht unbedingt zu empfehlen, es ging aus familiären Gründen halt nicht anders.

Trotz fehlenden Teleskops, nicht immer optimalen Wetters und früh aufstehender Kinder ein auch astronomisch gelungener Urlaub!

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